Gegen den Bankenskandal
Geradezu ärgerlich und unerquicklich, über den Berliner
Bankenskandal und seine höchst halbherzige, von Politik und Justiz
offenbar nicht gewollte Aufarbeitung zu reden. Angesichts der
vergurkten Prozesse gegen die Ex-Manager der Bankgesellschaft oder
des lächerlichen Untersuchungsausschusses (Zeugnisverweigerungsrecht
für Landowsky & Co.!) fällt einen mittlerweile schon ein Gefühl
von Resignation und Lethargie an.
Den Vertuschungsstrategien und Abwiegeleien der sogenannten
Verantwortlichen und des Berichterstatters Gefühl der Resignation
zum Trotz, zeigen die beiden Initiativen „Berliner Bankenskandal",
„Bürger gegen den Bankenskandal" und der Bund der Steuerzahler jetzt
im Foyer der Urania eine Ausstellung zu diesem „Symbol für das
Berliner System von Filz und Korruption", das nach dem Motto
„Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren" agierte. Auf
Schautafeln, in Film- und Tondokumentationen werden Namen und Zahlen
genannt, mithin die Hintergründe aufgeklärt, wie das wohl
einzigartige „Netzwerk von Gier, Inkompetenz, Betrug und krimineller
Energie der Bankmanager, der Berliner Politik und ihrer
Seilschaften" funktionierte, besser gesagt: eigentlich noch immer
funktioniert.
Das Skandalöse an dem Fall wird einem durch die Ausstellung
eindrücklich bewußt, etwa wenn man erfährt, daß die im Februar –
bisher einzigen – verurteilten Ex-Vorstandsmitglieder Ulf-Wilhelm
Decken und Jochem Zeelen eine Geldstrafe von lediglich 90000 bzw.
60000 Euro zu zahlen haben, gleichzeitig aber eine monatliche
Pension von 19020 Euro bzw. 15338 Euro erhalten. Und
selbstbewußt-naßforsch in Revision gegen ihr Urteil gingen.
Gertrude Schildbach
Die Ausstellung „Berliner Bankenskandal" ist noch bis zum 15.
April in der Urania, An der Urania 17, Tiergarten, zu sehen, täglich
geöffnet von 12 bis 23 Uhr, Eintritt frei.