Mit der Yorckstraße 59 steht ein weiteres
Projekt vor dem Aus, das neben Wohn-, Arbeits- und Lebensraum für 60
Menschen auch zahlreichen politischen Gruppen und Initiativen Platz
bot. Nach den Plänen der neuen Hausbesitzer soll daraus eine
sanierte lukrative Geldquelle werden. Den jetzigen MieterInnen wurde
die Fortführung des Vertrages angeboten - mit einer Mieterhöhung von
55%. Verständlicherweise wollen die BewohnerInnen und NutzerInnen
darauf nicht eingehen.
An dieser Stelle herzliche solidarische Grüße
nach Berlin - und viel Kraft beim Kampf für die Yorck 59.
Uns MünchnerInnen bleibt, uns auch Gedanken
zu machen, wie ähnliche Projekte auch bei uns zu realisieren wären.
Grund und Bedarf dafür gäbe es sicherlich!
Auszüge von der Yorck 59-Homepage:
Das Hausprojekt Yorck59 befindet sich in der
Yorckstraße 59, im Hinterhaus eines schönen alten Backsteinbaus. Die
vier Fabriketagen wurden 1989 von einer Gemeinschaft linker
Wohngruppen gemietet und ausgebaut. Wir leben und arbeiten dort also
seit 15 Jahren, kollektiv, solidarisch und selbstbestimmt; 60 Leute
im Alter von 0 bis 43, darunter 10 Kinder. Hier gibt es außer den
großen Wohngemeinschaften auch Raum für politische Initiativen, z.B
die ARI (Anti-Rassistische Initiative), das Radioprojekt Onda, den
Infopool Lateinamerika Poonal, das Anti-Hartz-Bündnis, diverse
internationalistische Gruppen sowie ein Atelier. In der
Veranstaltungsetage findet ihr im 2. Stock die DruzBar. Jeden 1. und
3. Montag im Monat gibt es hier leckeres Essen, Getränke zum
Selbstkostenpreis und regelmäßig Filme oder andere Darbietungen.
Diese Etage wird seit vielen Jahren außerdem von nicht-kommerziellen
Sport- und Theatergruppen und für Partys, Ausstellungen und
politische Veranstaltungen genutzt. In unserem Hof ist Platz für die
Kinder und zum Abhängen, Lesen, Sich Treffen und für die
alljährlichen Hoffeste, wie jüngst am 31.7. Das Hausprojekt stellt
also eine wichtige Infrastruktur für die Nachbarschaft und die linke
(Sub-)Kultur dar. Doch nach den Vorstellungen der neuen
Hauseigentümer soll dies ein Ende haben.
Im Sommer 2003 geriet das Haus in
Zwangsverwaltung, da unser alter Besitzer pleite gegangen war. Als
wir davon hörten, planten wir, das Haus mit Hilfe der Genossenschaft
Freiburger Mietshäuser Syndikat selbst zu kaufen. Doch die Bank
verkaufte das Haus im Dezember 2003 an uns vorbei. Der neue
Besitzer, ein Herr Marc Walter aus Hamburg, gründete die Yorckstraße
59 GbR, Kantstr. 134. Sein Projekt ist es offensichtlich, dem Haus
ein respektables und ansehnliches Äußeres zu geben, um dann genauso
respektable Mieten zu kassieren.
Die neue Hausverwaltung, Bau-Partner GmbH,
die auch in dem Büro in der Kantstr. 134 sitzt, geht von Anfang an
auf Konfrontationskurs: Sie versucht, uns Teile der Sanierungskosten
wegen angeblicher Selbstverschuldung aufzudrücken. Der
Hausverwalter, Boris Gregor Marweld, ebenfalls Kantstr. 134, lässt
wöchentlich die politischen Plakate in den Hofdurchgängen
beseitigen, die Kosten will er auch auf uns abwälzen. Er beschneidet
nicht nur unsere Informationsfreiheit: Den Hof, den wir seit Jahren
nutzen, sollen wir räumen. Der neue Vermieter verlangt von uns zudem
ab September 2004 mit Ablauf des Mietvertrags mehr als das Doppelte
der jetzigen Nettokaltmiete. Das können und wollen wir nicht
bezahlen!
Unsere aktuelle Situation /Stand September04/
Die IHK
Unser Vertrag läuft Ende September aus. Es
ist formal ein Gewerbemietvertrag, in dem vorgesehen ist, dass ein
Schiedsgutachten von der IHK über die Miethöhe nach Vertragsablauf
entscheidet, wenn sich die beiden Parteien nicht über einen Fortlauf
des Mietverhältnisses einigen können. Auf unser Angebot an den
Eigentümer im Frühling, sich über die Ausgestaltung des Vertrages ab
Oktober 2004 zusammen zu setzen, ging er nicht ein. Stattdessen
legte er lediglich ein unhaltbares 'Angebot' einer 100%igen Erhöhung
der Nettokaltmiete schriftlich vor. Daher haben wir es nun mit einem
Gutachten der IHK zu tun. Seit ein paar Tagen liegt es vor und
schreibt eine nunmehr 55%ige Erhöhung der Nettokaltmiete fest. Damit
war zu rechnen, da es sich bei der IHK um einen Unternehmerverband
handelt und das Gutachten die 'marktübliche Miete' ermitteln sollte.
Wir sind nun aber weder ein Profitunternehmen, noch überhaupt ein
Gewerbe und sowieso einzigartig, politisch und unvergleichlich. Das
heißt, eine politische Lösung muss nach wie vor her!
Dafür haben wir in den letzten Monaten
einiges getan. Kurz gefasst, haben wir für Medienöffentlichkeit
gesorgt (nachzulesen auf http://www.yorck59.net)/,
Kundgebungen gemacht, waren auf Straßenfesten präsent, haben tolle
T-Shirts bedruckt und Soli-CDs verteilt, Hoffeste gemacht, uns im
PIRAT (Projekte und Initiativen-Rat) organisiert und der
Bezirksverwaltung nahegelegt, uns, als unverzichtbarem Kiezprojekt,
bei einem Runden Tisch mit dem Eigentümer den Rücken zu stärken.
Die BVV (Bezirksverordnetenversammlung, das
Bezirksparlament) hatte sich im Juni für den Erhalt der Yorck59 samt
der bestehenden Projektstruktur ausgesprochen. Die Bürgermeisterin
Frau Reinauer (PDS) und Bezirksstadtrat Schulz (Grüne/Bündnis90)
haben sich nun jüngst mit Marc Walter und Boris Gregor Marweld
(Eigentümer bzw Verwalter) getroffen. Diese zeigten sich angepisst
von unserer Öffentlichkeitsarbeit und unserer Unterstellung, sie
wollten luxusmodernisieren (dabei haben wir klar gesagt, sie würden
Luxusmieten verlangen, von Modernisierung war sowieso nie die Rede).
Da beide im Vorfeld des Kaufes davon informiert waren, dass wir
keine höhere Miete zahlen können, fragt sich, was sie mit dem Haus
vorhaben. Angeblich haben sie nichts gegen uns und wollen nur ihre
liebe Ruhe. Nun, nach Erstellung des IHK-Gutachtens zeigen sie sich
so 'kompromissbereit', uns höchstens noch 5 Jahre bei 55%ig höherer
Miete wohnen zu lassen - was sie vertragsgemäß sowieso müssen! Das
heißt, sie haben erst in 5 Jahren eine entsprechende
Gewinnerwartung, die wohl ihren Kauf so richtig rentabel machen
soll, und wollen während dessen einen kleineren aber immerhin fest
kalkulierbaren Gewinn einstecken. Unser Plan vom letzten Jahr, das
Hinterhaus selbst zu kaufen, steht noch als Angebot. Nach unserer
Kalkulation kann das Haus mit den derzeitigen Mieten ohne Verluste
bewirtschaftet werden. Anscheinend geht es Walter & Marweld aber
ums Prinzip, weshalb sie nicht so schnell aufgeben wollen. Der
Begriff 'Eigentumsideologen' fiel in dem Zusammenhang und bringt
ihre Haltung wahrscheinlich auf den Punkt. Außerdem investieren sie
viel Zeit und Mühe in uns. Denken wir nur an die Versuche, unser
Hoffest vom 31.7. zu verbieten, uns prinzipiell die Hofnutzung zu
untersagen, oder an die wöchentlichen Plakatentfernungsaktionen in
der Hofdurchfahrt und im Treppenhaus. Aktuell verklagen sie uns auf
Herausgabe der Namen der Leute, die hier wohnen, wahrscheinlich um
Räumungsklagen vorzubereiten. Mit einer Unterlassungsklage wollen
sie uns nicht nur die gemeinsame Hofnutzung verbieten, sondern auch
Veranstaltungen in unseren Räumen; wegen angeblicher
Lärmbelästigung.
Und was machen wir? An der von ihnen
geäußerten Sensibilität in Punkto Veröffentlichung des Konfliktes
und ihrer Namen müssen wir dran bleiben. Eine gute
Öffentlichkeitsarbeit und Druck bzw Solidarität von außen sind die
Stränge, an denen wir weiter ziehen müssen, wollen wir uns nicht zu
einer 'privatwirtschaftlichen Angelegenheit' degradieren lassen (so
die CDUFDP in der damaligen BVV-Sitzung).
Yorck59 goes Hamburg
Am [...] Samstag, den 11.9., waren wir z.B.
in Hamburg bei Marc Walter vor der Haustür. Wegen der kurz zuvor
geräumten Wagenburg 'Wendebecken' hatten wir eine gute Mobilisierung
und Publizität unserer Demo (die Bild schrieb von anreisenden
BerufschaotInnen und KrawalltouristInnen), so dass wir mit mehr als
200 TeilnehmerInnen an den Start gingen. Auch wenn wir die erwartete
Schwarze-Block-Stärke nicht ganz erreichten, hatten wir doch eine
Menge Spaß wegen der gelungenen Moderation samt Yorck59-Quiz und des
zahlreichen Publikums an den Balkonen und Fenstern in der Martin
Luther Straße.
unser 'wir waren auch da' Fototermin bei der
Wendebeckendemo
Vor der Hausnummer 21 und an den angrenzenden
Häusern waren wie erwartet reichlich Bullen aufgestellt, die Marc
Walter unerwartete Öffentlichkeit brachten. Aus einer Nachbarwohnung
hing sogar ein Soli-Transparent, während ein interaktives Quiz mit
Fragen zu Walter, Marweld und der Yorck59 das Publikum begeisterte,
sicher auch angesichts der tollen Preise. Die Frage nach der exakten
Lage von Walters Wohnung blieb trotz der versuchten Einbeziehung
seiner NachbarInnen leider eher vage beantwortet. Doch da der
einzige unbesetzte Balkon der Nr. 21 im 2. Stock links lag,
vermuteten wir ihn dort hinter den Gardinen. Anschließend
demonstrierten wir gemeinsam mit 1000 weiteren UnterstützerInnen des
Wendebeckens gegen die Räumung des Wagenplatzes und für den Erhalt
aller linken Wohnprojekte. Bambule überall! Kann gut sein, dass dies
nicht der letzte Ausflug der Yorck59 nach Hamburg war - achtet auf
Ankündigungen.
Yorck59 goes Friedrichstraße
Für den 30.9. planen wir aber wieder etwas
heimeligeres, eine Kundgebung vor einer jüngst erworbenen Immobilie
von Walter und Marweld in der Friedrichstr. 129, Ecke Claire Waldoff
Straße. Das liegt auf der Höhe Oranienburger Straße. Vor wenigen
Wochen erwarben die beiden unter dem Label 'GbR Friedrichstr. 129'
den Gebäudekomplex mit Mietwohnungen und Gewerberäumen, der die
Grundstücke Friedrichstr. 129 und Claire Waldoff Str. 2, 4, 6, 8, 10
und 12 umfasst. Die Hausverwaltung macht, wie bei uns, die
Bau-Partner GmbH. Ein lukratives Filetgrundstück, das sicher einiges
abwerfen wird, sofern die Gewerbemieten wieder steigen oder die
Immobilie z.B. luxusmodernisiert wird (mit entsprechenden Folgen für
die jetzigen MieterInnen...). Dort wollen wir auflaufen und den
beiden zeigen, dass wir auch am letzten Tag unseres alten
Mietvertrages nicht aufhören für den Erhalt unseres Projektes zu
kämpfen.!!
Wir haben schon ganz andere klein gekriegt.
Unsere Hauskampf-Geschichte ist auch nicht
ohne. Schon vor 9 Jahren hat es das Duo Penz&Garski mit uns zu
tun bekommen. Sie wollten unsere Miete vervierfachen. Doch wir
gingen ihnen mit öffentlichen Aktionen vor den SORAT-Hotels, der
Veröffentlichung von Dietrich Garskis Geldgeschäften (er ist beim
Senat mit über 45,-Mio Eu verschuldet) und durch die vielen
Solidaritätsbekundungen gehörig auf die Nerven. Am Ende mussten sie
sich am runden Tisch mit uns einigen. Nur aufgrund unseres damaligen
Widerstandes existiert unser Hausprojekt immer noch und das werden
wir auch diesmal schaffen.
Wir werden uns nicht vertreiben und
vereinzeln lassen!
Für ein selbstbestimmtes, kollektives Leben!
Yorck59 bleibt!!