Geschichte und Geschichten des Hausprojektes Yorck59Kollektive TRäume !?1988, eine Gruppe von 7 jungen Leuten sucht Räume in West-Berlin, um zusammen in einer WG zu wohnen. In West-Berlin gibt es immer mal wieder leer stehende Fabriketagen, die sich ausbauen und zu Wohnzwecken umgestalten lassen. So auch das Hinterhaus in der Yorckstr. 59. Erst eine, dann insgesamt 4 große und 3 kleine Etagen werden der Gruppe vom Eigentümer angeboten. Die kleinen Gewerbe, die das Hinterhaus bisher nutzten, mussten vorher aufgeben. Darunter ist auch eine Firma, die Tortenuntersetzerdeckchen in den schönsten Farben und Formen stanzte. Deren Papierreste finden sich noch Jahre später in allen Ritzen der Böden und Heizkörper. Der Eigentümer bietet Gewerbemietverträge mit Wohnrecht für 60 Personen und einen Vertrag für mindestens 11 Jahre an, der jeweils um 5 Jahre verlängert werden kann. Trotz der Idee, offene Bereiche für Veranstaltungen und politische Gruppen mit der Miete mitzutragen, ist die Miete pro Person erschwinglich. Deshalb finden sich in Freundes- und Politkreisen der Ursprungsgruppe weitere InteressentInnen, um gemeinsam das 4stöckige Hinterhaus als linkes Wohn- und Politprojekt aufzubauen. Mehrere Gruppen sagen fest zu, in einer Kraftanstrengung von wenigen Monaten zu planen, Baumaterial zu organisieren und mit je 2000,-DM Einlage die 2700 m2 umzugestalten. WGs, eine Veranstaltungsetage und Arbeitsräume für politische Gruppen sollen die leeren Etagen mit Leben füllen. Der Standort ist, trotz der Lage in der westlichsten Ecke von Kreuzberg 61, nicht so schlecht. Der Mehringhof, seit Anfang der 80er das Zentrum der linken Szene, ist nah, es gibt das Steps in der Großbeerenstraße (eine Szenekneipe von einem FrauenLesben-Kollektiv organisiert), das KOB und das Drugstore in der Potsdamer Straße und einige große WGs in der direkten Nachbarschaft. Jetzt geht?s los!Im Dezember ?88, die Anti-IWF-Kampagne ist soeben überstanden, wird der Mietvertrag endlich abgeschlossen. Der Hausverein Färbung e.V. dient als Vertragspartner für alle künftigen BewohnerInnen und AktivistInnen, die mit diesem dann Untermietverträge abschließen können. Die endlosen wöchentlichen Plena befinden über Bauplanung, Materialorganisierung und die gemeinsame Großküche, die während der Bauphase für ca 50 Leute funktionieren muss. Viele haben sich für mehrere Monate frei gemacht, die Uni oder Reisepläne gesteckt, Pausen in ihren Politgruppen vereinbart oder Freundschaften auf Sparflamme gesetzt. Jeden Tag werden alte Bürowände eingerissen, neue aus Rigips oder Steinen errichtet, darin Fenster und andere Objekte integriert, Türen eingepasst. Zwischendurch wird Schutt zum Nordhafen gekarrt, Partys werden auf den halbfertigen Etagen gefeiert, FreundInnen herumgeführt, verliehene Baumaschinen verzweifelt gesucht. Neue Liebesbeziehungen finden sich beim Bauen, Frauen und Männer entdecken ihre ungeahnten handwerklichen Fähigkeiten, politische Differenzen werden ausgefochten, neue Gruppen bilden sich, "Psychos" werden aufgeworfen und besprochen. Alles in allem ein kleines Biotop, das sich zeitweise nur um sich selbst dreht, dann wieder ausbricht, um Anschluss zu finden an die Außenwelt, an die alten Zusammenhänge, an FreundInnen,. Das pendelt sich individuell mit der Zeit ein. Manche gehen wieder mehr nach außen, manche ziehen das Bauen durch und hoffen, nach der intensiven Bauphase wieder "draussen" anknüpfen zu könnnen. Für die allermeisten ist der Prozess etwas neues, ein Experiment, das an viele Grenzen stößt. Kollektives Bauen mit vielen Unbekannten; große Wohngruppen, die aber miteinander eng verbunden sind; individuelle Raumgestaltung, die langfristig veränderbar ist; die gemeinsame Überlegung, wie die Gemeinschaftsräume gestaltet und genutzt werden sollen. Ebenso die Offenheit im Umgang miteinander ist neu. Vieles, das "normalerweise" privat und unter wenigen geregelt wird, findet Eingang in eine sehr große Gruppe, die sich noch gar nicht lange kennt. Stress untereinander wird von vielen registriert und gemeinsam besprochen. Seien es Liebeskummer, dominantes Verhalten beim Bauen, Schlampigkeit, Schmutzgrenzen, Essverhalten oder Geldschwierigkeiten. Bis die Etagen fertig gestellt sind, mischen sich die Wohngruppen manchmal neu, aber die Anfangsidee bleibt bestehen. Die WGs, ein bis zwei pro Etage von 450m2, sind 6 bis 13 Personen groß. Eine besteht aus Männern und Frauen, die anderen sind reine Frauen- bzw Männer-WGs. Die Zimmer sind im Vergleich zur Gemeinschaftsfläche recht klein, da möglichst viele Menschen im Haus wohnen sollen. Die neuen Räume sind durch die vielen Fenster in den Zwischenwänden aber nicht dominant, lassen viel Licht, Lärm und Blicke durch. Einzelne versuchen auch ein Wohnen ohne feste Wände, "offenes Wohnen" genannt, teilweise über Jahre. Die Etagen werden nicht abgeschlossen, alle sollen problemlos überall hin, auf (fast) alles Zugriff haben. Das wiederum spricht sich in anderen Kreisen schnell herum. Instrumente, Kameras, Geld kommen weg - nach und nach schließen immer mehr WGs ihre Etagen ab. Projekte gehören ins HausFür die beiden "kleinen" Etagen von je 240m2 gibt es unterschiedliche Ideen. Klar ist, dass eine von beiden überwiegend frei bleiben soll, für Ausstellungen, Partys, Veranstaltungen, Vollversammlungen (VVs) und Sport. Die andere soll in verschiedenen Räumen eine Werkstatt, ein Gemeinschaftsbad (später ein Atelier), ein Archiv beherbergen und für feste Politgruppen Arbeitstreffen oder Anlaufstellen ermöglichen. Über die Jahre finden sich konstant wie auch kurzzeitig Gruppen, die das Angebot gerne nutzen. Die Antirassistische Initiative (ARI) ist fast von Beginn an dabei und gut eingebunden in die Hausstruktur. Die Afrikanische Fraueninitiative, die Umwelt- und Projektwerkstatt, freie JournalistInnen, das Guatemala-Komitee, die Sri Lanka-Gruppe, Radio Onda, der Nachrichtenpool Lateinamerika und internationalistische Gruppen arbeiten lediglich einige Monate oder Jahre im Haus. Die Bedeutung der Yorck59 liegt eben nicht nur in der personellen Größe des Wohnprojektes, sondern in der Mischung mit dem politischen Raum, den das Haus für viele in der Stadt immer wieder geboten hat. Die einigen Hundert Linke, die über die Jahre im Haus lebten, haben immer wieder neue Ideen, neue Praxen in diese Räume getragen, das Projekt mit Leben gefüllt. In der Stadt existieren wenige Räume diesen Ausmaßes, wo jenseits von kapitalistischen Zwängen und weitgehend hierarchiefrei politisch geplant und experimentiert werden kann. Dies ist der unübersehbare Fixpunkt, wenn es gilt, die Yorck59 als Projekt zu erhalten, und eben nicht nur als Wohnraum für 60 Menschen. Was ist der Kiez?Für den Standort im westlichsten Zipfel Kreuzbergs wird gleich nach der Bauphase ein Kiezbezug erarbeitet, der über die Szenegrenzen hinaus reichen soll. In den ersten Jahren wird im Kiez zu MieterInnentreffen eingeladen, Kontakte werden geknüpft zu von Modernisierung und Mieterhöhung Betroffenen. Im Sommer ?90 sollen reihum Feste in den Höfen organisiert werden, wo Leute leben, die sich an den MieterInnentreffen beteiligen. Dies reicht jedoch über die Saison und zwei Hoffeste nicht hinaus. Eine Weile lang besteht noch eine Kiezküche, die überwiegend von WGs und Einzelpersonen aus der Umgebung getragen wird. Das jährliche Hoffest in der Yorck59 hat jedoch Bestand. Eine längerfristige Beschäftigung mit der Problematik Stadtumstrukturierung d.h. Aufwertung der innenstadtnahen Kieze, Yuppiesierung oder Bauplanungen wie für das Gleisdreieck und den Potsdamer Platz findet keinen festen Platz in der politischen Theorie und Praxis der Yorckies. Nach der Maueröffnung ?89 rückt Kreuzberg von der Randlage West-Berlins in Citynähe und viele befürchten eine Verdrängung der ärmeren Bevölkerungsschichten, der linken Kollektive und "Frei"räume an den Stadtrand. Obwohl sich Anfang der ?90er stadtweit einige Initiativen gründen ("Wir bleiben alle" - WBA-Gruppen, "Wir bleiben in SO36", Neuköllner Anti-Umstrukturierungs-Plenum, Anti-Olymia-Komitee, Brückenini gegen die Öffnung der Oberbaumbrücke für Individualverkehr), und der Standort der Yorck59 dies ebenso nahe läge, bleiben es Einzelpersonen im Haus, die sich im Rahmen ihrer Politgruppen damit auseinander setzen. Erst als das Haus 1994 direkt von Vertreibung durch Mieterhöhung betroffen ist, findet das Thema Umstrukturierung wieder Eingang in die Diskussionen und den Hauskampf. Zuvor bildet natürlich auch die Besetzungswelle in Ost-Berlin einen praktischen Bezugspunkt für viele in der Yorck59. Einige ziehen z.B. 1990 direkt in die besetzten Häuser der Mainzer Straße und versuchen sich an neuen Experimenten wie dem Tuntenhaus und dem Leben in Ostberlin. Nach ?89 macht sich dann der Anstieg rassistischer Übergriffe wegen des aufkommenden Nationalismus überall in der Stadt bemerkbar. Fast wöchentlich gibt es Mobilisierungen, v.a. in den Ostteil Berlins, weil Nazis aufmarschieren oder zuschlagen. Durch die Größe der Yorck59 und den gemeinsamen VW-Bus finden sich immer schnell Bezugsgruppen an den Brennpunkten ein, lassen sich nicht so schnell einschüchtern und gehen gemeinsam vor. Selten gelingt es der linksradikalen Szene aber, antifaschistische und antirassistische Praxis zusammen zu bringen. Ein gelungenes Gegenbeispiel ist der "Gelbe Punkt", der, an die Eingangstür von Läden geklebt, Schutz bei rassistischen Übergriffen bieten soll. Die Yorck59 beteiligt sich an den kiezbezogenen Versuchen, auch Nicht-Szene-Läden von dieser Initiative zu begeistern. Das Kieztreffen, das daraus entsteht, organisiert auch eine Telefonkette, die bei Nazis in der Gegend ausgelöst wird. In Bewegung bleibenDie Konjunkturen der autonomen, feministischen, antifaschistischen oder antirassistischen Bewegung, die verschiedenen Kampagnen finden ihren Niederschlag, ihre Resonanz auch in der Yorck59. In bewegungsarmen Zeiten wurschteln viele vor sich hin, arbeiten an ihren Projekten, bilden sich, lohnarbeiten, pflegen ihre persönlichen Kontakte im und außerhalb des Hauses. Gibt es in der Stadt oder sogar darüber hinaus eine Idee, eine Kampagne, die viele mitreißt, bewegt sich meist auch in der Yorck einiges. Leute, die sich mögen, tun sich zusammen, andere schließen sich an, bilden neue Zusammenhänge, organisieren was, tragen das wieder in die Hausstruktur. Die Beispiele wären so zahlreich wie es in den letzten 16 Jahren Kampagnen gegeben hat und böten sicher ein Spiegelbild der Aktivitäten vieler anderer Hausprojekte, Wagenplätze oder Politgruppen Berlins. Daher seien an dieser Stelle lediglich ein paar Yorck-spezifische Geschichten wiedergegeben. Die Größe des Projektes hat es ermöglicht, dass sich viele darauf bezogen haben, manchmal auch im negativen Sinne als eine Art "Dienstleistung". Die Frage des Schutzes des Lautsprecherwagens bei Demos "wer macht den Lautischutz diesmal?" wurde eine Zeit lang immer mit "fragen wir mal die Yorck" beantwortet. Als die Demos in Berlin noch größer und ab und zu militanter waren, war die Frage des Lautischutzes entscheidend. Es galt, ihn mit Kräften vor Bullenangriffen zu verteidigen, und das war eher einer größeren, erfahreneren Gruppe möglich. Irgendwann waren es jedoch die meisten aus der Yorck59 leid, mit dieser Aufgabe betraut zu werden. Als ?98 mehrere Gruppen gemeinsam (ca. 100 Leute) die Kneipe "EX" im Mehringhof übernehmen und sie kollektiv, weitgehend ohne Lohn und mit politischen Ansprüchen organisieren, sind auch viele aus der Yorck59 dabei. Es ist ein großes Experiment, das durch alle Hochphasen und Abgründe führt, die in so einem Betrieb denkbar sind. Das schweißt zusammen, schärft kollektives Bewusstsein und bringt viele wiederum an eben diese Grenzen, an die, wie auch in der Yorck, Menschen stoßen, die nicht nur die Gesellschaft, sondern auch sich selbst verändern wollen. Nach drei langen Jahren macht das Projekt "EX" keinen Sinn mehr und schließt. Aber einzelne, auch aus der Yorck59, die weiter motiviert sind, machen später das Café Morgenrot auf. FrauenLesben- Queer-EtagenAls es Genderstudies an deutschen Unis noch nicht gab, "queer" in der Szene ein Fremdwort und Transsexuelle den meisten unbekannt waren, bildeten sich die Wohngruppen in der Yorck zumeist entlang der beiden klassischen Geschlechter: Männer- und Frauen-WGs bildeten sich. Auch wenn nicht alle Männer des Hauses in strickenden Männergruppen aktiv waren, und nicht alle Frauen sich als Feministinnen bezeichneten, gab es von Beginn an ein relativ hohes Bewusstsein für geschlechterbezogene Dominanzen, Rollenverhalten und Sozialisation. Die Frauen des Hauses bildeten untereinander vielfältige Bezugspunkte und Strukturen, die über persönliche Freundschaften hinaus gingen. Es gab z.B. Frauenplena, Präsenz im Frauenblock auf größeren Demos, gemeinsame Beteiligung an der Besetzung der "Marianne" am Oranienplatz oder das Frauen-Sonntags-Frühstück im männerfreien Bereich der 2. Etage. Dort wohnten 13 Frauen zusammen. Die Etage war jahrelang geteilt in einen männerberuhigten und einen männerfreien Teil. Zu letzterem hatten Männer keinen Zutritt, weil dort Frauen wohnten, die zumindest in einem kleinen Teil ihres Alltags Ruhe vor männlichen Wesen haben wollten. Das gab es auch in anderen (ex-) besetzten Häusern. Männerberuhigt hieß, dass Männer dort nicht dominant auftreten sollten, nicht so viele auf einmal und dass es eine Sensibilität dafür gab, wann es Mitbewohnerinnen zuviel wurde. Die "Schärfe" in der Auslegung dieses Konzeptes unterlag Schwankungen, die unterschiedliche Auswirkungen hatten, je nach WG-Zusammensetzung. Manchmal zogen welche aus, die sich erhofft hatten, dass sie weniger mit "den Gemischten" im Haus zu tun haben müssten, manchmal entstanden Beziehungskonflikte in Heteroverbindungen, weil der Typ sich in der WG missachtet und unerwünscht fühlte. Das Gleichgewicht war schwer zu finden und einige WG-Konflikte wurden darum entfacht. Aber viele Frauen und Lesben schätzten die kontinuierliche Auseinandersetzung und die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten, die sich auftaten. Auch Sprache als Begleitmusik des Patriarchats, traditionell männlich geprägt, wurde unter den Frauen immer wieder thematisiert und verändert. Ebenso wie an anderen Orten, an denen Frauen zusammen kamen und kämpften, wurden durch die Veränderungen der Sprache Realitäten sichtbar gemacht, die in der Gesellschaft keinen Platz haben. Anfang der ?90er z.B. kam der Begriff "FrauenLesben" statt "Frauen" auf, weil lesbische Frauen um ihre Akzeptanz und ihre Rechte kämpften. Und dies auch in linken und feministischen Zusammenhängen. Die Präsenz von Lesben und Schwulen in der Yorck59 war immer marginal, aber zumindest gab es jahrelang die große 13er FrauenLesben-Etage und die Schwulen-, später dann Queer-WG, die wohl mindestens durch ihre Gegenwart etwas Bewusstsein schärften. Leben mit KidsErst nach ca. 10 Jahren war es Leuten mit Kindern möglich, im Haus Fuß zu fassen. Vorher waren die, die Kinder bekamen, über kurz oder lang ausgezogen, weil einfach fast nur Erwachsene im Haus lebten oder weil die WGs es nicht schafften, gemeinsam ihren Alltag nach den Bedürfnissen von kleinen Kindern auszurichten. Mittlerweile leben ca. 10 Kinder von 0 bis 14 Jahren im Haus. In einer größeren WG leben 7 "Teilzeit"-Kinder mit 8 Frauen, in drei anderen WGs noch weitere Kinder. Im Sommer lädt der begrünte Hof samt Planschbecken und Spielecke alle zum abhängen und spielen ein. Angesichts des gesellschaftlichen "Normalzustandes" Kleinfamilie ist das Leben mit Kindern in großen Gruppen eine zusätzliche Herausforderung in dem Versuch, kollektiv zu leben und ein Stück gesellschaftlicher Utopie vorwegzunehmen. Die Grenzen dessen schlagen sich allerdings des öfteren auch in der Yorck nieder. Die Kinderbetreuung bei Plena oder an den Abenden bleibt dann doch oft an den Bezugspersonen hängen, die Kinder werden bei Planungen zu wenig mitgedacht . Die relative Stabilität in der personellen Zusammensetzung im Haus trägt aber dazu bei, dass es Menschen mit Kids leichter fällt, in diesem großen Projekt zu leben. Durch das jahrelange Zusammenleben können sich verbindliche Strukturen mit und unter den Kids, auch zwischen den verschiedenen WGs, besser entwickeln. Hauskampf die Erste - 1994/95Als nach 5 Jahren Yorck59 das Haus verkauft wurde und laut Mietvertrag Verhandlungen um die Neufestsetzung des Mietpreises anstanden, schockierte das "Angebot" der Vervierfachung der Miete. Sofort wurde eine öffentliche Kampagne ähnlich der jetzigen losgetreten, die die ins Visier nahm, die hinter der harmlos klingenden Besitzerfirma "Labani GmbH" und der Hausverwaltung GWF standen. Zu Tage trat ein illustres Konglomerat von Firmen rund um Helmuth Penz und Dietrich Garski, die die Hotelkette SORAT, Obdachlosen-, Flüchtlings- und AussiedlerInnenheime u.v.m. betrieben. Schnell waren Kontakte zu Medien, BezirkspolitikerInnen, Stadtteilläden und anderen AktivistInnen hergestellt. Aktionen wurden vor den Hotels, vor dem Verwaltungssitz der Firmen und vor dem Bezirksamt organisiert. Garski hatte als Bauunternehmer 1981 den Senat zum Stürzen gebracht, schuldete der Stadt 93 Mio DM, agierte jedoch mit Hilfe seiner "Stroh"frau Claudia weiter im Immobiliengeschäft. Penz war ein aufstrebender Geschäftsmann, der mehr als 30 Firmen leitete, sich durch Sponsoring ein soziales Image leistete und dabei war, die SORAT-Kette in der BRD zu etablieren. Beide waren entsprechend empfindlich, was ihr öffentliches Bild, ihren Ruf in den Bezirken (wegen der Privatisierung der Heimunterbringung) und den störungsfreien Ablauf in den Hotels betraf. Damit boten sie eine Angriffsfläche, die so gut es ging genutzt wurde, um Imagebeschmutzung zu betreiben. Dazu gehörte die Aufklärung über die miesen Geschäfte von Penz und Garski und der Zusammenhang zur drohenden Vertreibung der Yorck59. Nach einigen Monaten intensivsten Aktivismus?, Kontaktierens und Plenierens, Recherche- und Pressearbeit gab zuerst die Hausverwaltung auf. Dann wurde der Name Garski aus der Besitzerfirma entfernt, es gab einen Runden Tisch mit Bezirksunterstützung und letztendlich konnte in Vertragsverhandlungen die Mieterhöhung auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Wenn auch die fette Kröte geschluckt wurde, dass, um die Mieterhöhung aufzufangen, von nun an die sonstigen NutzerInnen der Yorck59 einen finanziellen Beitrag für die öffentlichen Etagen leisten mussten. Trotzdem war der Erfolg des Hauskampfes offensichtlich, politisch symbolisch wie auch individuell. Das Projekt konnte weiter existieren und in dem Prozess des monatelangen Hauskampfes war eine Menge untereinander und mit anderen AktivistInnen der Stadt entstanden. Auch im aktuellen Hauskampf kann an manche der damals entwickelten Kontakte und Strukturen angeknüpft werden. Deutsche (Szene-) DominanzenDie Yorck59 besteht von Beginn an vorwiegend aus StudentInnen zwischen 20 und 30. Leute, die fest lohnarbeiten, können die Flexibilität und Zeit, die solch ein Projekt erfordert, oft nicht aufbringen und ziehen über kurz oder lang aus. Auch der Umgang miteinander und die Art, Probleme anzugehen, resultieren meist aus einer deutschen Mittelstandssozialisation. Dadurch ziehen in die Yorck59 oder ähnliche Wohnprojekte selten Angehörige der ArbeiterInnenklasse oder MigrantInnen ein. Auch heute, nach 16 Jahren, kann eine Minderheit von 8 BewohnerInnen, die nicht deutscher Herkunft sind, nicht darüber hinweg täuschen, dass die Yorck59 vorwiegend junge, deutsche Studis anzieht, die es gewohnt sind, sich verbal auseinander zu setzen, stundenlange Plena auszuhalten oder weniger miteinander zu feiern als "Problemgespräche" zu zweit zu führen. ...und wie seht ihr diese Geschichte?Dies ist die Sicht einer Bewohnerin der Yorck59, die das Projekt mit aufgebaut hat. Sie ist natürlich auch subjektiv eingefärbt. Vieles konnte nicht berücksichtigt werden, damit der Text überhaupt einmal fertig gestellt werden konnte. Manches gerät mit der Zeit in Vergessenheit. Habt ihr vielleicht Lust, die Geschichte zu kommentieren oder eure eigene zu schreiben? Ob als Ex-Yorckie oder mit einer Außenwahrnehmung - beides interessiert sicher nicht nur uns hier in der Yorck. Wir könnten dies dann auch auf diese web-site stellen, zur Ergänzung, als Geschichtsschreibung von unten, als Anregung für andere, die sich an äähnlichen Projekten versuchen (wollen). Meldet euch unter yorck59bleibt@gmx.net oder kommt einfach mal vorbei! |